Wie tickt die Politik - und wie das Hirn?

Jahresempfang der Volksbank-Raiffeisenbank im Kreis Rendsburg

Staatssekretär sprach über Infrastruktur / Neurowissenschaftler erläuterte „Biologie des Geistesblitzes“

Die beiden Top-Referenten des Abends hätten unterschiedlicher kaum sein können. Dr. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Verkehrsministerium, will daran mitwirken, die Infrastruktur des Landes in den kommenden Jahren auf Vordermann zu bringen. Und Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler und Buchautor, ist Spezialist für die „Biologie des Geistesblitzes“. Wer ihnen genau zuhörte, musste feststellen, dass sich die beiden Stargäste des Jahresempfangs der Volksbank-Raiffeisenbank gut ergänzten. Bankvorstand Georg Schäfer freute sich sichtlich über den gelungenen Coup.

Zunächst der Politiker. Thilo Rohlfs kennt den Kreis gut. Bis Ende 2015 war er als Kreisverwaltungsdirektor quasi der Staatssekretär des Landrates. Er weiß, welche Probleme die Menschen vor Ort bewegen. Die Rader Hochbrücke zählt dazu: „Ich gehe fest davon aus, dass wir 2026 halten werden“, sagte er. Gemeint ist: Bis dahin soll zumindest ein Teilstück der neuen Hochbrücke fertig sein, damit die alte abgerissen werden kann. Man wolle sich aber auch auf anderen Feldern tummeln: Breitbandausbau, Sanierung der Landesstraßen und die feste Fehmarn-Belt-Querung stehen auf der Agenda ganz oben. Auf allen Feldern will man Versäumtes nachholen. Das sei nur mit mehr Personal zu schaffen. Rohlf machte deutlich, dass die neue Landesregierung anders tickt als die alte. Der „kaputtgesparte Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr“ wird laut Staatssekretär aufgestockt. Die erforderlichen Fachkräfte soll mittelfristig der neue Ausbildungsgang für Ingenieure in Kiel liefern. Zudem setzt die Landesregierung auf Kompetenz von außen, sofern sich das bewährt hat. Die bundeseigene Planungsgesellschaft Deges, die den A7-Ausbau bisher weitgehend reibungslos organisiert, mischt auch beim Bau der neuen Rader Hochbrücke und der A 20 mit.

Kompetenzen von außen nutzen, neue Wege gehen, alte Regeln brechen – damit lag Rohlfs auf einer Wellenlinie mit dem Hirnforscher Dr. Henning Beck, dem Shootingstar der Wissenschaftsszene. Die Kernaussage seines Vortrages: Das menschliche Gehirn kann mit der Rechenkapazität von Computern zwar nicht ansatzweise mithalten, ist aber dennoch jeder künstlichen Intelligenz haushoch überlegen. Denn aus der vermeintlich größten Schwäche des Gehirns erwächst zugleich eine seiner größten Stärken: Es macht Fehler, doch aus diesen lernt es und generiert daraus neues Wissen, das wiederum Basis für neue Ideen sein kann. Die Entstehung von Ideen, so machte es Beck deutlich, könne man nicht erzwingen. Aber man kann ein Umfeld schaffen, das die Kreativität fördert. Gassi gehen mit dem Hund, Joggen, die morgendliche Dusche – entspannende Tätigkeiten, die vom Kleinhirn gesteuert werden. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten. Beck: „Wenn das Kleinhirn in den Automatikmodus geht, hat das Großhirn mehr Platz zum Denken.“


Quelle: https://www.shz.de/19240941 ©2018