Geldanlage-Tipp

Investmentsteuerreform 2018

Was ändert sich für Ihre Fondsanlagen?
Mit der Investmentsteuerreform 2018 kommen auf Privatanleger erstmals seit der Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 größere Neuerungen für die Besteuerung von Investmentfonds zu, sagt Marco Thomsen, Mitarbeiter des Private Banking der Volksbank-Raiffeisenbank im Kreis Rendsburg eG. Was wird sich ändern? Wir geben Ihnen einen Überblick.

Das Ziel der Reform
Bisher waren ausländische Aktienfonds hinsichtlich der Dividenden deutscher Unternehmen steuerlich schlechter gestellt als deutsche Aktienfonds. Das war nicht mit dem Europarecht vereinbar. Mit der Investmentsteuerreform soll ab 2018 EUweit Chancengleichheit hergestellt werden. Gleichzeitig soll mit der Reform das Steuersystem einfacher und verständlicher werden.


Was ändert sich?
Das Investmentsteuergesetz wird in vielen Details angepasst, sagt Marco Thomsen.
Die wesentlichen Änderungen lassen sich in sechs Punkten zusammenfassen:

1) Bislang werden Fondsanleger noch wie Direktanleger behandelt. Das bedeutet:
Nur der Anleger ist steuerpflichtig, hingegen nicht der Fonds selbst. Ab 2018 müssen Aktien-, Misch- und Immobilienfonds nun Steuern in Höhe von 15 Prozent auf inländische Dividenden und inländische Immobilienerträge zahlen.

2) Zum Ausgleich für die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene werden dann die Erträge inländischer und ausländischer Fonds teilweise von der Abgeltungsteuer freigestellt. Diese Freistellung greift bei der Ausschüttung und dem Verkauf von Anteilen. Je nach Fondsart gibt es unterschiedliche Freistellungsquoten. Sparer sollen dadurch insgesamt von Mehrbelastungen verschont werden.

Folgende Freistellungsquoten gelten:

  • 15 Prozent bei Mischfonds
  • 30 Prozent bei Aktienfonds
  • 60 Prozent bei Immobilienfonds
  • 80 Prozent bei Immobilienfonds mit überwiegend ausländischen Immobilien

Für die Einstufung der Fonds sind die Anlagebedingungen maßgeblich.

3) Grundlage der Besteuerung ist künftig nur noch der Zahlungsstrom insgesamt.
Das bedeutet: Ausschüttungen sind stets in voller Höhe steuerpflichtig (abzüglich der Freistellungen aus Punkt 2). Mit diesem Zuflussprinzip wird die bisherige Unterteilung der Ausschüttung nach steuerfreien und steuerpflichtigen Bestandteilen abgeschafft.

4) Gibt es eine geringe oder – etwa bei thesaurierenden Fonds – gar keine Ausschüttung, will der Gesetzgeber trotzdem eine Mindestbesteuerung erreichen. Dafür wird die Vorabpauschale“ eingeführt. Sie beträgt 70 Prozent des offiziellen Basiszinses (für 2016 1,1 Prozent). Die Pauschale ist auf den Wertzuwachs im Kalenderjahr begrenzt – es wird also nur besteuert, was auch erwirtschaftet wurde. Zudem gilt die entsprechende Teilfreistellung je nach Anlageschwerpunkt des Fonds (siehe Punkt 2). Auf die errechnete Pauschale wird von der depotführenden Stelle am ersten Tag des folgenden Kalenderjahres Abgeltungsteuer einbehalten.

5) Weil die Steuerreform einfacher werden soll, werden einige steuerliche Kennzahlen, wie der Immobilien- und der Zwischengewinn, abgeschafft.

6) Kursgewinne auf Fondsanteile, die vor 2009 gekauft wurden, sind bisher vor einer Besteuerung geschützt. Dieser Bestandsschutz wird per Ende Dezember 2017 gekappt. Alle entsprechenden Fondsanteile werden so behandelt, als seien sie zum 31. Dezember 2017 verkauft und zum 1. Januar 2018 neu erworben worden. Die mit diesen Anteilen bis 31.12.2017 erreichten Kursgewinne sind und bleiben aber steuerfrei. Lediglich die mit diesen Anteilen erzielten Kursgewinne ab 1. Januar 2018 unterliegen der Steuerpflicht.


Freibetrag pro Anleger:
Außerdem gilt – für die Wertentwicklung ab 2018 – einmalig pro Anleger ein Freibetrag von 100.000 Euro, der sich auf die Wertentwicklung ab 2018 bezieht. Für Ehepaare gilt somit ein Freibetrag von 200.000,00 Euro.Der Freibetrag kann im Rahmen der Steuerveranlagung geltend gemacht werden. Ein Verkauf von Altanteilen vor dem 31.12.2017 ist daher weder nötig noch sinnvoll, sagt Marco Thomsen. Für weitere Informationen oder eine Beratung stehen Ihnen Ihre Kundenberater telefonisch oder im persönlichen Gespräch vor Ort zur Verfügung.